Das Ausbügeln einer Unhöflichkeit

Liebe Leser,

 

etwas dünn ist es in den letzten Monaten mit den Buchvorstellungen geworden, was einfach daran liegt, dass sich das Leben natürlich nicht nur um das Lesen und Schreiben von Büchern dreht.

Was mich nun auf den Gedanken bringt, die Bandbreite meiner Artikel etwas zu erweitern und auch persönlicher zu gestalten.

Zuerst sollte ich also die Unhöflichkeit ausbügeln, mich nicht schon zur Eröffnung dieses Blogs kurz vorgestellt zu haben.

Wer bin ich also eigentlich?

Bevor hier jemand eine Profilneurose befürchten muss, halte ich es kurz.

Denn neben der Tatsache, dass ich 82er Baujahr bin und – wohl durch die bipolare Störung bedingt – in verschiedenen Bereichen kreativ tätig, gibt es nicht viel mehr zu sagen.

Nein, ich werde diesen Blog nun auch nicht hauptsächlich auf dieses Krankheitsbild ausrichten, solche Blogs gibt es zur Genüge, aber es ist eben der kleine Baustein, der mein Leben und mich immer mal wieder dominiert.

Nun lieber Leser, ich weiß noch nicht, wohin meine Artikel mich künftig führen werden, aber das Leben hat eben doch etwas mehr als Bücher zu bieten, und dem werde ich künftig auch gern Rechnung tragen.

 

Herzlichst,

Eure Dehlia.

Advertisements

Gedankenwelt: Sind sie schon länger in der Szene?

Liebe Leser,

 

ist euch mal aufgefallen, dass man heute immer irgendwo dazugehören muss?

Und wenn man nirgendwo dazugehört, weiß man entweder nicht, was man will, oder man ist ein Spießer.

 

Kleines Beispiel:

Ich habe vor einer Weile mit dem Rauchen aufgehört – Applaus bitte! – und wollte, da es ja nicht so einfach ist, einfach so das Mausen zu lassen, auf nikotinfreies Dampfen umsteigen.

Also ging es in den Laden, eine Erstausrüstung (diverse Dampferbestandteile und Liquids) wollten gekauft werden.

Da guckt mich die Verkäuferin so an und fragt: „Ist das ihr erster oder sind sie schon länger in der Dampferszene?“

‚Äh, nein, ich möchte bitte nur einen Dampfer kaufen‘, denke ich mir da nur so.

 

„Sind das Ihre ersten oder sind sie schon länger in der Aspirin-Szene?“

„Sind das ihre ersten, oder sind sie schon länger in der Blümchenszene.“

„Ist das ihr erstes, oder sind sie schon länger in der Einhornszene.“
Obwohl, letzteres … Gibt es die heute nicht schon?

 

Ich denke doch nicht, dass ich ein Sonderfall bin. Aber ich picke mir das, was mir passt aus allen möglichen Ecken heraus, ohne mich einer Szene zugehörig zu fühlen.

Und doch meinen da einige, sie müssten eben genau das verurteilen. Dass man seinen Tag nicht 24 Stunden am Stück wie jemand lebt, der jeweils Bunte Haare hat, ein Mittelalterkleid trägt, sich die Runen legt, mit einem Dampfer rumläuft, tätowiert ist und gelegentlich Chopin hört.

Glaubt mir mal liebe Leute, ich habe durchaus mich selbst und damit auch meine innere Mitte gefunden, und mein gefestigtes Ich mag eben viele von den Dingen, die das Leben so zu bieten hat.

Mir da irgendwas zu versperren, weil es in den einen Rahmen nicht reinpasst, oder mir etwas aufzudrücken, weil es in den anderen Rahmen doch reingehört, das ist nicht mein Ding und wird es nie sein.

 

Herzlichst,

Eure Dehlia.

In eigener Sache: Kleines Bloganhängsel

Liebe Leser,

 

seit kurzem habe ich – Adresse folgt unten – einen Blog an diesen hier angehängt.

Er beschäftigt sich mit allen Aspekten der Thematik Hörschädigung.

Ich möchte damit nicht nur Betroffene erreichen, die sich vor und nach der Diagnose oft zurückziehen, sondern auch Angehörige wie mich, die den Hörverlust eines Ehepartners, Elternteils oder Freundes früher erkennen und tätig werden könnten, würden sie die Anzeichen früher erkennen.

Nicht selten ließe sich dadurch schlimmeres verhindern.

 

Vielleicht schaut ihr also einmal vorbei oder weist mal Menschen auf diesen Blog hin, die das Thema eventuell betreffen könnte.

Nach und nach werde ich dort Gastbeiträge von Betroffenen und Angehörigen, meine eigenen Erfahrungen und auch Informationen über Krankheiten und Rechtliches zusammentragen.

 

Unter

http://audiogramm.wordpress.com

findet ihr die Seite.

 

Danke für’s  lesen und bis bald,

Eure Dehlia

Gedankenwelt: Darf’s auch etwas mehr sein?

Liebe Leser,

 

natürlich, wie sollte es anders sein, wurde ich wieder einmal im Internet zu diesen Gedanken inspiriert.

Es ging im Kern um die Frage, ob es legitim sei, seinem amtierenden Psychotherapeuten ein kleines Geschenk zu machen.

Es sei festgehalten: Wir sprechen hier nicht über ein Auto oder ein Haus, es geht um Kleinigkeiten wie die – zugegeben, etwas fantasielose – Flasche Wein, den selbstgebackenen Kuchen oder sogar ein paar selbstgestrickte Socken.

Dinge, die einfach einen ideellen Wert und den Zweck haben, danke zu sagen.

Und neben dieser herzensguten Fraktion gibt es dann noch die andere, abgeklärtere – wenn man es so nennen möchte -, die einfach meint, als Therapeut täte man letztlich nur seine Arbeit.

Man würde dafür bezahlt, sich täglich stundenlang die Probleme und Krisen anderer Leute anzuhören und man müsste ihnen dafür nicht noch über Gebühr dankbar sein.

Liebe Leute, das mag sein, aber ihr habt den Gedanken bei Weitem nicht zu Ende gedacht.

Das Geschrei wäre groß, säße der Therapeut nur da, würde euch teilnahmsvoll anschauen und hätte im Maximum ein paar Phrasen aus dem Lei(d)tfaden der Küchenpsychologie parat, die bei neun von zehn Patienten schließlich funktionieren.

Wie jetzt. Ihr seid der Zehnte und braucht eine individuelle Lösung? Was soll denn passieren? Soll sich der Therapeut nun etwa in euch hineinversetzen, seine Empathie anwerfen und versuchen, zu ermessen, wie ihr euch fühlt, um mit euch Lösungen und eventuelle Verhaltensstrategien zu erarbeiten?

Ich habe nur zu oft die Klagen gehört, wenn Patienten sich nach Schema F abgefertigt fühlen. Aber das ist auch verständlich.

Nur zeigt ein Therapeut die Flexibilität, sich auf euch einzustellen, was ohne Empathie nicht funktioniert, was nicht geht, wenn der Therapeut nicht wenigstens einen Teil von sich eröffnet, was ist falsch daran, ihm – ja und auch einer Therapeutin, liebe Damen – dafür dankbar zu sein und das auch zu zeigen?

Ihr solltet es mal versuchen. Dankt mal offen, ehrlich und überzeugt und überzeugend eurem Therapeuten für seine Arbeit. Bringt wirklich mal eine Kleinigkeit dafür mit und sagt ihm, wie sehr – wenn das denn stimmt – euch diese Zusammenarbeit geholfen, weitergebracht hat.

Und ihr werdet die traurige Erfahrung machen, dass sich die meisten sehr freuen werden.

Traurig deshalb, weil das sehr gut anzeigt, für wie selbstverständlich viele Patienten ihre Therapie und deren Erfolge nehmen und wie selten sie zeigen, dass es ihnen bewusst ist, wie viel Kraft ein Therapeut selbst auch in so einer Therapie lassen kann.

Und nein liebe Kritiker, das hat nichts damit zu tun, dass der Therapeut keine Distanz hätte, es liegt einfach daran, dass Empathie immer Kraft kostet, immer auslaugt und ohne Empathie einfach keine gute Therapie stattfinden kann.

 

Und sind wir ehrlich, finden wir diese Gedankenlosigkeit doch in vielen Berufsfeldern.

Macht euch doch mal den Spaß und schaut euch jeden Job an, der euch im Dienstleistungsbereich so einfällt. Von der Reinigungskraft bis zum Verkäufer, vom Hausmeister über den Taxifahrer bis hin zum Klempner.

Selbst Jobs aus den Riegen, in denen man noch mehr verdient sind oft welche, in denen Dankbarkeit rar geworden ist.

Wie oben schon gesagt: Die verdienen ja damit ihr Geld, das muss Dankbarkeit genug sein.

Warum geben wir beispielsweise dem Pizzaboten Trinkgeld, dem Paketzusteller die Nachnamegebühr aber immer auf den Cent passend und lassen uns nicht mal herab, bei denen auch nur den Euro vollzumachen?

Warum ist es für uns ok, wenn eine Reinigungskraft – im Idealfall – fünf Tage in der Woche unseren Dreck wegmacht, dem Masseur in der Wellness-Oase bringen wir aber gern mal den Sekt vorbei?

Warum unterscheiden wir nach Beruf und nicht danach, ob jemand in seinem Job macht was er muss, oder ob es immer etwas mehr ist, zum Wohle des Kunden, Klienten oder Patienten?

 

Und so eine kleine Abschluss-Anekdote aus meiner eigenen Erfahrung im medizinischen Bereich:

Die älteren Herrschaften wissen sehr oft noch, wie man sowas zu händeln hat.

Da taucht man nachmittags auf, und es erwarten einen Kuchen und ein Gläschen Sekt oder Fruchtlikör. Gut, letzteres war leider nichts, was man annehmen durfte, aber die Geste allein.

Bevor man ging, bekam man dann oft ein kleines Trinkgeld zugesteckt, und da war es egal, wie viel Geld die Damen und Herren auf der Kante hatten.

Und ab hier wurde es interessant. Meistens hielt ich dann am Ende zwanzig oder fünfzig Cent in der Hand. Nicht, weil da Geiz mit im Spiel gewesen wäre, sondern weil für Menschen dieser Generation aus Gewohnheit solche Summen heute noch sehr viel Geld sind.

In deren Vorstellung hätte ich mit zwanzig Cent losgehen und mir drei Kugeln Eis kaufen können.

Und auch hier hätte man sagen können: man bekommt schließlich Geld für seine Arbeit, alles andere unterschreitet die Professionelle Distanz und letztlich ist man ja dafür da, um seinen Job zu machen.

Aber solche und ähnliche Kleinigkeiten sind doch – durchdenken wir es mal in Ruhe – ein Ausdruck der Wertschätzung.

Wertschätzung dafür, dass die Leute aus allen Branchen ihren Job machen, Wertschätzung erst recht, wenn sie mehr machen, als es ihr Job erfordern würde.

Denkt mal drüber nach.
Oh und wenn ich schon dabei bin, widme ich mich wohl bald mal dem Thema der Sprecher und Schauspieler.

Menschen, die uns mehr geben, als wir es eigentlich ahnen.

 

Herzlichst,

Eure Dehlia.

Gedankenwelt: Stromschnellen und Kleiderschränke

Liebe Leser,

 

ich höre immer Diesen und Jenen sagen:

„Das bestimmt mein Leben.“

Ist das wirklich so? Und warum?

 

Es ist eine alte Frage, doch auch mir, mit den großen und kleinen Kümmernissen des Alltags und Lebens stellt sie sich immer wieder, jedes Mal, wenn es mich wieder mal nervt, wenn es mich stört und behindert.

Warum ist das so? Wieso stehe ich hier und fühle mich so bestimmt?

Das hat so etwas von Machtlosigkeit. So lassen sich selbst Menschen unterbuttern, die so stolz von sich behaupten, Probleme mit Autorität zu haben.

Aber mit der Autorität des Lebens habt ihr keine Probleme. Das kann sich jeden Morgen vor euch stellen, von oben herab mit dem Zeigefinger auf euch zeigen und Befehle brüllen.

Und da senkt man dann nur den Kopf und nickt ergeben.

Steht man morgens vor dem Kleiderschrank und wartet auf die Stimme, die da vom Pulli aus dem Dunkeln herauskommt?

„Los, hol mich raus und zieh mich an, ich will heute getragen werden! Draußen sind es dreißig Grad, aber trag mich! Sofort!“

Natürlich hängt nicht immer das Kleidungsstück im Schrank, das man am liebsten trägt. Wir haben es gestern vielleicht weggeworfen oder es ist gerade in der Wäsche, aber trotzdem hören wir eher selten auf unsere Textilien.

Natürlich nicht. Weil sie so harmlos aussehen. Weil sie so harmlos sind, weil wir die Wahl haben, immer. Und hier wissen wir es auch.

Nun sagt man sicher – zurecht – das Leben ist doch nun sicher wichtiger als ein Pullover, aber das ist nicht der Kern.

Es hängt daran, wie sehr wir uns davon bestimmen lassen, wie sehr wir uns treiben lassen, wo wir stromaufwärts schwimmen und wo wir uns stromabwärts treiben lassen.

Für manche Dinge lohnt es sich zu schwimmen, bei anderen Dingen, bei denen die Umwelt das Schwimmen befehlen mag, darf man sich treiben lassen, weil sie die Kraft nicht lohnen, weil das Schwimmen nur dem Zweck dienen würde, allen zu zeigen, dass wir es können, wir selbst aber nur mit einer Null- oder Negativbilanz aus der Sache herauskämen.

Also bestimmen wir die Richtung, in der wir uns auf dem Fluss bewegen, wir bestimmen, wie wichtig uns die Bewegung ist.

Bewegung ist immer etwas, was wir bestimmen, sie autorisiert nicht uns.

Nur eine Bewegung gibt es, die wir nicht aufhalten können, die wir nicht in der Hand haben, und das ist der Sturz an sich. Dorthin gibt es aber sehr viele Wege und vor allem gibt es die Einsicht, dass da sehr viele Umwege sind und da mehr als genug Möglichkeiten existieren, sich einen davon zu suchen.

Und welchen, bestimmen wir allein. Wenn wir begriffen haben, dass wir es können.

Bipolarität: Zwischenwelten

Liebe Leser,

 

heute möchte ich mal über einen Aspekt der bipolaren Störung sprechen, den nicht viele kennen, auch wenn auf den einschlägigen Seiten inzwischen – wenn auch nicht wirklich ausführlich – berichtet wird.

Ich zitiere es immer wieder gern, weil es mich immer wieder stört; Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.

Wenn für Menschen, die nicht betroffen sind schwer vorstellbar, so sind diese beiden Zustände, also Manie und Depression vielleicht hinlänglich bekannt.

Aber heute soll es um einen Fallstrick gehen, der viele Bipolare ebenfalls plagt, und das ist die gemischte Episode.

Irgendwie impliziert dieser Begriff alles und nichts.

Manische und depressive Symptome treten gemeinsam auf, so sagt man. Aber was heißt das wirklich?

Depressiv ist man, ja. Die Welt hat keine Farbe mehr und sich über irgendwas zu freuen, scheint unmöglich. Kaum etwas macht noch Sinn und eigentlich ist man die ganze Zeit von allem und allen mehr als überlastet bis genervt.

Während eine reine Depression zusätzlich aber eine „Affekt-Verarmung“ mitbringt, einen lähmt, ja sogar lethargisch machen kann, spendiert uns nun die Manie ihren gesteigerten Antrieb, ja ihre Gereiztheit dazu. Sie macht uns impulsiv, unbeherrscht, für unsere Mitmenschen fast noch unerträglicher als die Manie an sich.

Und während wir uns in der Manie selbst, und auch unser Umfeld in unserer krankhaften Euphorie ruinieren können, trifft uns die gemischte Episode selbst meist am härtesten, gemäß dem Falle, unsere Freunde, Familienmitglieder und Partner können den fliegenden Tellern ausweichen.

Suizidalität ist nämlich während dieser Phasen ein ganz großes Thema, das oft dazu führt, dass wir uns in ein stationäres Umfeld begeben müssen.

Während Menschen mit Depressionen sich sicherlich auch hier und da mit Selbstmordgedanken plagen müssen, verhindert oft der geschwächte bis gar nicht vorhandene Antrieb, dass diese Gedanken in die Tat umgesetzt werden.

Denn entgegen dem, was viele denken, macht man es sich mit Selbstmord nicht leichter, er ist eine Kraftanstrengung sondergleichen.

Nicht zu vergessen ist hierbei nämlich, dass wir in diesem Falle genau das überwinden müssen, was uns, wie alle anderen Lebewesen – ob Mensch, Tier oder sogar Pflanze – quasi definiert.

Unseren Überlebensinstinkt.

Das bedarf einer Energie, die man – dem Himmel sei Dank – als depressiver Mensch längst nicht so oft aufbringt, wie die Gedanken dazu.

Befindet man sich also in so einer gemischten Phase, kommen zu diesen depressiven Suizidgedanken noch Kraft und Antrieb der Manie hinzu.

 

Die Frage ist nun, wie man als Angehöriger damit umgeht.

Suizidgedanken bedürfen ja keiner weiteren Tipps.

Und im Alltag?

Mein ganz klarer Ratschlag lautet, lasst uns lieber in Ruhe. Ihr könnt in diesen Momenten eh nichts richtig machen.

Das Meiste von dem, was ihr tun und sagen werdet, wird uns eh auf den Geist gehen.

Auch bei mir zu Hause läuft es so, auch wenn mein Partner inzwischen gut trainiert ist.

Sobald ich anfange, bei jedem seiner Sätze tief durchzuatmen, weiß er, was die Uhr geschlagen hat und lässt mich in Ruhe.

Natürlich enthebt uns diese Krankheit, diese Episode nicht von unserer Verantwortung, auf unsere Angehörigen eine gewisse Rücksicht zu nehmen, aber oberstes Gebot sollte sein, schützt euch selbst, geht uns aus dem Weg.

Wir werden viel zu viel Freude daran haben, uns mit euch zu streiten.

Nein, eigentlich nicht, das zu behaupten wäre nicht ganz fair. Tatsache ist aber, wir können meistens nicht anders.

Stellt euch vor, ihr seid die ganze Zeit gereizt und wütend und multipliziert das mit 10.

Ihr würdet förmlich aus allen Nähten platzen, bei den meisten Anlässen.

Für uns persönlich kann dieser Zustand schlimmer als die ärgste Depression sein, weil er uns völlig unkontrolliert macht.

Wir können lernen, damit umzugehen. Sagt uns, wenn wir euch zu oft anfahren, wenn wir verletzend und gereizt werden.

Man kann – wenn man es auch schwer beherrschen kann – lernen, sein Umfeld dann vor sich selbst abzuschirmen.

Wichtig ist aber: fühlt euch nicht persönlich angegriffen, so ist es nicht gemeint.

Versucht trotzdem, mit uns zusammenzuarbeiten, kommuniziert, sagt, was euch stört, wie ihr euch fühlt. In der Regel werden wir alles versuchen, um euch zu entlasten.

In Selbsthilfegruppen ist das eine der häufigsten Fragen.

„Geratet ihr auch so oft mit eurem Partner in Streit und was tut ihr dagegen?“

Selbst uns macht diese gereizte Intensität immer mal wieder ratlos.

Viel mehr Ratschläge kann ich dazu kaum erteilen, da wir oft genauso machtlos sind wie ihr es seid, lebt ihr mit Betroffenen zusammen oder habt ihr generell jemanden in eurem Umfeld.

Mir persönlich hilft es dann auch sehr, mich von allen zu isolieren, um das Risiko zu minimieren, jemandem wichtige Körperteile zu amputieren.

Übertragen gesprochen, natürlich.

Ziehen wir uns zurück, tun wir das auch für unser Umfeld, also lasst uns das tun.

 

Herzliche Grüße,

eure Dehlia.

Erfolgreich auf Facebook: eine kleine Anleitung

Liebe Leser,

 

heute geht es um ein Thema, das die Massen spaltet. Es ist wichtiger als die große Koalition, wichtiger als Weltfrieden, Hungersnöte oder Donald Trump.

Wie pflege ich erfolgreich mein Facebook-Profil?

Facebook ist eine der  wertvollsten Erfindungen der Neuzeit. Man stelle sich vor: bei einer ausreichend langen Freundesliste ist es, als fülle man einen Saal mit Hunderten von Menschen, die sich bereitwillig alles anhören und ansehen, was man so sagt, an Fotos vorzeigt, von anderen Leuten weitererzählt oder sonstig präsentiert.

Aber damit wir diesen Stand des subventionierten Exhibitionismus erreichen können, müssen wir einige Grundregeln beachten, und schon läuft das wie geschmiert.

 

Grundvoraussetzung: die Freundesliste

Als erstes ist es wichtig, dass wir unsere Freundesliste aufstocken. Setzt ihr nur darauf, Bekannte und tatsächliche Freunde oder Familie als Facebook-Freunde zu haben, wird sich der gewünschte Erfolg nur mäßig einstellen.

Am besten ist es daher, regelmäßig die Liste der vorgeschlagenen Personen zu konsultieren, die euch Facebook mit eventuellen Freunden aufstellt.

Und ab da wird es leicht. Schickt einfach jedem eine Freundschaftsanfrage, der dort vorgeschlagen wird. Dabei ist es unwichtig, ob man den entsprechenden kennt oder auch nur einen einzigen gemeinsamen Freund mit demjenigen hat. Vielleicht klappt es ja trotzdem.

Verschickt man innerhalb einer gewissen Zeit auf diese Weise so an die 400 Freundschaftsanfragen, erreicht man gut und gern eine Erfolgsrate von sicherlich 50%, andere möchten ihre Freundesliste ja auf Deivel komm raus ebenfalls verlängern.

 

Die Warmakquise:

Hat man nun entsprechend viele Freunde, muss man sich diese natürlich warmhalten.

Am wichtigsten ist hierbei, dass man seine Facebook-Freunde mindestens zweimal täglich anstupst oder ihnen zuwinkt.

Das braucht bei hunderten von Freunden natürlich so seine Zeit, aber jeder hat wohl ein bisschen Aufmerksamkeit verdient, und schließlich läuft man ja im realen Leben auch die ganze Zeit mit einer linken winkenden und einer stupsenden rechten Hand herum. Ihr werdet sehen, jeder eurer Freunde wird sich freuen und den Klick mit Begeisterung zurückgeben.

 

Das Profil oder auch: das Anfüttern des kleinen Voyeuristen in uns

Ein weiterer begünstigender Faktor ist natürlich das Profil.

Macht jede nur erdenkliche Information öffentlich. Sämtliche Fotos und Lebensereignisse müssen sichtbar sein, und verbergt auch eure Chronik nicht.

Möchte man seine Kontaktmöglichkeiten noch erweitern, empfiehlt es sich, auch persönlichste Daten wie Mailadresse und Handynummer für eventuellen Austausch über WhatsApp öffentlich einzustellen.

Besitzt man dazu noch eine nostalgische Ader, macht auch das Einstellen der Postadresse Sinn. Möglicherweise lassen sich auf diesem Wege sogar gute, altmodische Brieffreundschaften aufbauen, oder man bekommt sogar mal einen unangekündigten Besuch eines Facebook-Freundes. Und wer mag denn keine Überraschungen?

Füllt sämtliche „Gefällt mir“ Kategorien aus. Das wird zwar niemand wirklich lesen, aber allein das Gefühl, hier den ultimativ transparenten User gefunden zu haben, wirkt auf viele sehr verlockend.

 

Fotos:

Das ist natürlich eine Wissenschaft für sich. Titel- und Profilbilder sollten mindestens dreimal in der Woche aktualisiert werden.

Kleiner Tipp: Die Verwendung bestimmter Effekte oder eines Rahmens mit Rosen oder Herzchen wertet jedes Foto auf, egal wie unscharf oder verpixelt es ist.

 

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt sind Selfies.

Postet täglich mindestens eins. Hier ist aber die Verwendung eines Selfie-Sticks inzwischen obligatorisch. Nicht nur, dass man dadurch bei Facebook sehr Up To Date rüberkommt, auch in der Öffentlichkeit erregt man so immer mal wieder Aufsehen und viele Schmunzler.

Ok, das mag aussehen, als ob man belächelt wird, aber das wirkt sicherlich nur so.

Sehr beliebt sind übrigens auch Selfies – natürlich ebenfalls öffentlich gepostet – auf denen man euch bei irgendeiner ausgelassenen Party sehen kann. Man sollte zu diesen Anlässen ständig ein Glas oder gar eine Flasche mit Alkohol in der Handhalten. Auch hier gilt: Je später der Abend, desto schöner die Selfies.

Wichtig ist zur Vervollständigung natürlich, am nächsten Morgen, gleich, nachdem man sich auf der Arbeit krankgemeldet hat, damit anzugeben, was für einen gnadenlosen Kater man hat.

Ist zwar möglich, dass der Chef ganz zufällig auf die Party-Fotos und auf den Morgen-danach-Post stößt, aber bitte; schließlich geht es hier um ein hoch frequentiertes Facebook-Profil.

 

Fällt einem mal wieder gar nichts ein, was man mit seinen Freunden und dem Rest der Welt teilen möchte, greift man einfach auf die „Orte“-Funktion zurück.

Schließlich ist es wichtig, in welchem Restaurant oder in welcher Bar oder Kneipe man gerade wieder “abhängt“.

Ganz wichtig ist es hier, diesen Post mit einem Bild zu belegen. Am besten bietet sich natürlich ein Foto des Essenstellers an. Vorher, mittendrin und nachher.

Gibt man sich ein bisschen Mühe, bekommt man das riesige Steak mit dem halben Liter Bier zusammen auf ein Foto. Bei Cocktails ist es ganz wichtig, dass man auch Sahne und Schirmchen sieht.

Letztlich interessieren auch solche Aktivitäten kaum jemanden, aber hey;  man sollte nie riskieren, auf seinem Profil den ganzen Abend nichts zu posten. Es könnten sich die besorgten Anfragen in deiner Chronik häufen, ob alles ok bei dir ist.

 

Der Humor:

Witze und ähnlich humorige Beiträge werden bei Facebook sehr gern gelesen und mit positiven Reaktionen bedacht.

Macht euch aber bitte nicht die Mühe, einen Witz in das Textfeld zu schreiben, schon gar nicht, wenn er vielleicht länger als vier Zeilen ist. Wer es richtig machen will, stellt ein Foto ein. Am schönsten sind die, auf denen sich eine witzige Zeile mit einem Bild vereint. Die Zauberformel hier heißt: kurz und knackig.

Fast Food Humor dieser Sorte enthebt einen nämlich der Sorge, dass jemand aus der Freundesliste die Pointe nicht kapiert.

 

Posts und Links teilen:

Hier ist es eigentlich egal, was man teilt, Hauptsache, es ist viel.

Macht euch im Newsfeed eurer Facebook-Freunde präsent. Unter 20 geteilten Posts sollte das tägliche Aufkommen nicht liegen. Dabei ist es auch nicht wichtig, ob man die entsprechenden Artikel wirklich gelesen und sich eine Meinung darüber gebildet hat, auf jeden Fall erweckt diese hohe Quantität einen belesenen und vielseitig interessierten Eindruck, und nur darum geht es doch, oder?

 

Der Unterpunkt der Petition:

Sicher sind Petitionen eine sehr gute Sache, und sie sind immer ein Daumenfänger, ganz wichtig ist hier aber, dass man, teilt man so eine Petition, selbst nichts dazu schreibt.

So zwingt man seine Freunde eher dazu, auf den Link zu klicken und zu schauen, worum es überhaupt geht und ob sie das Thema interessiert. Außerdem gilt auch hier: eine eigene Meinung mit in den Post zu setzen ist ein unnötig hoher Zeit- und Arbeitsaufwand.

 

Wenn man doch mal Selbstgeschriebenes postet:

Wichtig: niemand will lesen, wie glücklich ihr seid.

Eure Beziehung ist am wichtigsten, wenn sie gerade beendet wurde. Andere Mütter haben zwar auch schöne Töchter und Söhne, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund drückt man lieber seine Anteilnahme aus als sich für einen zu freuen.

Sollte im Leben gerade mal nichts trauriges vorrätig sein, hilft es auch, etwas zu posten, über das sich viele Facebook-Freunde in Anteilnahme wütend auslassen können.

Nicht selten entstehen so auch innerhalb der Kommentare unschöne Wortwechsel, aber gut; zumindest pinnt das den entsprechenden Beitrag im Newsfeed geradezu oben an, und darum geht es schließlich, richtig?

 

Der Schreibstil:

In den letzten Jahren haben sich die Regeln für den Internet-Benimm deutlich geändert.

In seinen Posts, gerade, wenn sie doch mal etwas länger werden, sollte auf einige Dinge unbedingt verzichtet werden.

Satzzeichen wie Punkte oder Fragezeichen stören nicht nur das Bild, meistens werden sie so oder so überlesen. Hier greift daher der Grundsatz: Satzzeichen sind Rudeltiere. Ein Satzende muss auch nicht mehr zwingend mit einem Punkt gekennzeichnet werden. Die Sinneinheiten sind durch mindestens drei Punkte einfach zu trennen, nach denen es dann auch mit einem kleingeschriebenen Wort weitergehen kann.

Schachtelsätze, die durch Kommata getrennt sind, erfreuen sich keiner Beliebtheit. Spaghetti-Sätze ohne Kommata aber mit vielen Ellipsen lesen sich einfach besser runter.

Das einzig legitime Satzzeichen ist das Ausrufezeichen. Hier dürfen es ruhig fünf oder mehr sein, wobei es egal ist, wenn sich ein paar Einsen in diesen zig Ausrufezeichen verstecken. Das spricht für intensive Emotionen und gibt dem Beitrag daher einen besonders authentischen Touch.

Man sollte allerdings die Großschreibung nicht ganz über Bord werfen. Sehr beliebt ist sie, schreibt man ganze Wörter oder Sätze groß.

Nun ja, Dauer-Großschreibung gilt laut Netiquette zwar als Schreien, aber nun; wer schreit, hat schließlich recht.

 

Fazit:

Es gibt sicherlich noch andere Tipps, die zu einem erfolgreichen Facebook-Profil führen können, beachtet man aber die obenstehenden Richtlinien, hat man auf jeden Fall einen sehr guten Start in die Facebook-Karriere.

Ist man aber kein Mensch, der gern Regeln befolgt, jemand, der eher auf das heute inzwischen aus der Mode gekommene Schreiben mit längeren Texten, Grammatik und eigenen, gut ausformulierten  Gedanken pocht, kann ich nur eins raten.

Werdet Blogger.

 

Herzlichst,

Eure Dehlia.

Bipolarität: Zwischen dem Untergang des Hauses Usher und der Maske des roten Todes

Liebe Leser,

 

dieser Artikel liegt nun schon einige Tage auf meiner Festplatte herum und ich habe lange gegrübelt, ob ich ihn hier wirklich einstelle.

Dann habe ich mich mit dem Gedanken getröstet, dass ihn vermutlich jeder, den das Thema nicht interessiert, einfach überblättern wird.

Andererseits habe ich in den letzten Jahren gemerkt, dass diese Krankheit nicht so selten ist, wie man es sich wünschen möchte. Es gibt so einige, die Betroffene kennen oder in der Familie haben, und es gibt leider, dazu gehöre ich ebenfalls, so einige Menschen, die sich jahrelang mit Fehldiagnosen herumschlagen, weil auch Fachleute manchmal in die falsche Richtung schauen.

 

Wie ich schon schrieb, verlasse ich hier und da nun auch mal das Gebiet der Literatur. Heute aus aktuellem Anlass, da ich – und ihr habt es an der langen Stille auf diesem Blog gesehen – aus gesundheitlichen Gründen ein Weilchen abwesend war.

So möchte ich hier also beginnen, ein wenig über die bipolare Störung zu berichten, in der Hoffnung, irgendwann jemanden oder mehrere zu erreichen, denen – durch eigene Betroffenheit oder der eines Freundes oder Angehöriger – das hier weiterhilft.

 

Die bipolare Störung oder das, was einige heute immer noch unter dem Begriff „manisch depressiv“ kennen.

Diese Krankheit ist inzwischen auch Fernsehreif geworden. Am populärsten ist wohl die Serie „Homeland“, in der sich die Agentin Carrie Mathison mit dieser Diagnose zu plagen hat. Hier sehen wir auch, welches Leben sie führen muss, will sie diese Störung in den Griff bekommen, wie es sich auswirken kann, verzichtet sie zu Gunsten ihrer Arbeit auf eine strikte Lebensweise und ihre Medikamente.

Ich als Betroffene kann der Serie zugestehen, dass die bipolare Störung, zumindest in dieser Form, recht gut gezeichnet ist.

Aber auch hier gilt, zehn Betroffene mit derselben Diagnose ergeben zehn verschiedene Verläufe, je nach Intensität der Ausprägung, der eigenen Lebenserfahrung, dem Charakter und Umfeld.

 

Also, wovon sprechen wir hier genau?

Wer Artikel über diese Krankheit liest, wird in 75% davon die gleiche Redewendung finden:

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“.

Das ist eventuell ein gewisser Ansatz und so meinen Autoren vielleicht, könne man anderen dieses Störungsbild erklären, ich für meinen Fall finde es allerdings sehr simplifiziert.

Denn jeder kennt diese Stimmungen. Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als sehr glücklich oder sehr unglücklich zu sein.

Wendet man diese Begriffe auf die bipolare Störung an, stielt man jedem anderen sozusagen diese völlig gesunden Gefühlsregungen.

 

Die zwei Pole

 

Depressionen sind ein Krankheitsbild, das heutzutage immer mehr Verständnis erfährt. Das mag auch daran liegen, dass sich immer mehr Betroffene trauen, mit Depressionen offen umzugehen.

Natürlich gibt es auch immer noch Menschen, durch die man als Betroffener geradezu stigmatisiert wird, denn nicht für jeden ist es vorstellbar, dass man sich nicht mit etwas Selbstdisziplin dem Leben stellen kann und alles wäre wieder in Ordnung.

Es ist nicht immer leicht zu verstehen, was es für ein umfassender Kampf sein kann, sich morgens zur Arbeit zu schleppen, seinen Haushalt zu bewältigen, soziale Kontakte zu halten, mit Freunden zu sprechen.

Die einen schaffen das mit links, für sie ist es normal, doch dem Depressiven geht hier buchstäblich die Luft aus.

Es ist nicht der Wille, der fehlt, leidet man unter Depressionen, kann man leider nicht, wie man gern möchte, und manchmal, wenn es sehr schlimm kommt, möchte man auch nicht mehr, wie man sollte, weil einfach alles zur Qual werden kann.

 

Der Gegenpol, die Manie, sorgt dafür schon deutlich häufiger für Missverständnisse.

Ein Satz, der mir bereits häufiger begegnet ist lautet: „So würde ich mich auch gern mal fühlen.“ Das mit Sicherheit nicht, auch wenn die Manie durchaus als positiv empfundene Aspekte haben kann.

Nur zwei Stunden Schlaf die Nacht? Geht.

Drei Ladungen Wäsche waschen, das Haus putzen, im Garten die Hecken beschneiden, schnell mal noch einen Kuchen backen  und das alles, bevor der Vormittag richtig angefangen hat? Kein Problem.

Auf der Arbeit seinen und den Job zweier kranker Kollegen dazu erledigen?

Alles möglich.

Stundenlange Ausbrüche von Kreativität auf diversen Gebieten? Nicht selten.

Alles scheint Spaß zu machen, jede Idee ist die beste, die Welt schillert in den buntesten und leuchtendsten Farben.

Mit einem Minimum an Regenerationsbedarf das Maximum an Tatkraft und Energie.

Doch auch die Manie hat ihre Kehrseite.

Ist sie sehr stark ausgeprägt, riskiert man aufgrund seiner unberechenbaren und sprunghaften Art öfter mal völlig die Bodenhaftung. Auch die Realitätsprüfung leidet hier und da. Aus dem Streben nach dem Neuen, dem Aufregenden werfen Betroffene ihr altes, geordnetes Leben hier und da auch schon mal über Bord.

Im Rahmen von Glücksspiel, Kaufrausch und finanziellen Großprojekten wie dem Finanzieren äußerst teurer Dinge wie einem Neuwagen ruiniert man auch schon mal das eigene, wie auch das Leben des Partners oder der Familie.

Und schließlich kann das Schnellfeuer, welches da im Gehirn stattfindet gepaart mit viel zu wenig Schlaf sogar für Psychosen sorgen.

 

Dieses Bild ist natürlich nicht ganz vollständig und es zeichnet wirklich die extremste Form, die so eine Manie annehmen kann, aber es dient – hoffe ich – doch gut zur Verdeutlichung.

 

Und nun schließe ich mal den Kreis zum Titel dieses Posts.

Inzwischen gibt es so einige Aufstellungen prominenter bipolarer, deren Großteil Musiker, Autoren, Bildhauer oder Komponisten und Maler sind und waren.

Edgar Allan Poe, davon geht man zumindest inzwischen fast einheitlich aus, war einer davon.

Liest man die Interpretationen seiner Bücher, fällt der Umstand seiner mentalen Instabilität meist völlig hinten runter. Man konzentriert sich auf seine gern verwendeten Hauptmotive, auf biographische Bezüge und ähnliches, das empfinde ich aus meiner Warte als eher unvollständig.

In seinen Werken findet man oft die Schwankungen und Ausschläge zwischen Depression und Manie.

Aus einem seiner bekanntesten spricht für mich aus jeder Seite die Depression.

Der Untergang des Hauses Usher.

Der namenlose Ich-Erzähler reist auf Bitten seines Jugendfreundes Roderick zum Anwesen der Familie Usher. Roderick leidet an einer nicht näher bezeichneten Nervenkrankheit, die in diesem Falle dadurch entstanden ist, dass sich seit Jahrhunderten nur Geschwister gegenseitig heiraten durften.

Kaum betritt der Erzähler das Haus, beginnen die Merkwürdigkeiten. Bereits in der Eingangshalle muss er sehr die Stimme senken, da jedes laute Geräusch Roderick scheinbar regelrecht Schmerzen bringt. Jede Uhr im Haus ist zum Stehen gebracht worden, alle Fenster sind verhängt, da auch Licht dem Hausherren unangenehm ist. Auf leisesten Sohlen begleitet der Erzähler den einzig verbliebenen Diener seines Freundes in dessen Zimmer, nur im Licht einer Kerze, und selbst auf das Licht dieser muss er verzichten, als der Bedienstete Rodericks Zimmer wieder verlässt.

 

Natürlich schreibt Poe hier nicht vorrangig über die Depression, seine Intention ist eine andere, und so extrem treten Depressionen eher nicht auf, aber diese gedrückte Stimmung, die den Leser unweigerlich packt, entspricht schon dem Bild, das man sich von einer Depression machen kann.

Das Erlahmen vieler Aktivitäten, Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen, die Schlafstörungen, unter denen auch Roderick leidet, der vornehmlich die Nächte nutzt, um mit seinem Freund zu sprechen.

 

Dagegen steht für mich Poes „Die Maske des roten Todes“.

Im Land geht eine Seuche um, welche, befällt sie einen Menschen erst mal, zu einem schnellen und grausamen Tod führt.

Prinz Prospero, den die Krankheit, die gut die Hälfte seiner Untertanen dahinrafft wenig kümmert, zieht sich mit einigen Freunden in eine von ihm entworfene Abtei zurück, um sich dort vor dem „roten Tod“ zu schützen.

Er liebt das Besondere, das Außergewöhnliche und feiert in der Abgeschiedenheit quasi ein Fest nach dem anderen.

Bereits hier finden wir eine Positivsymptomatik der Manie.

Schließlich soll alles in einem grandiosen, detailliert geplanten Fest gipfeln.

So sorgt er mit verschiedenfarbigen Fenstern und entsprechender Beleuchtung dafür, dass sieben Räume in einer anderen Farbe gehalten werden, die auch die Gäste entsprechend beleuchtet. Zu jeder vollen Stunde betreten die Gäste schließlich den nächsten Raum.

Vielen, die eine Manie kennen, werden hier einige Komponenten wiedererkennen.

Das Auge fürs kreative Detail, der Hang zu Farben, die Suche nach dem ständigen Vergnügen, Dekadenz, die Fähigkeit in seinem eigenen manischen Kokon die harte Realität auszublenden oder zumindest zu vertreiben.

 

Wie oben bereits gesagt, hier werden extreme Bilder gezeichnet, die noch nicht so differenziert sind, wie für diese Krankheit – wie bei allen anderen auch – angemessen wäre, aber für meine künftigen Artikel bildet sie vielleicht ein gutes Grundgerüst.

Ich möchte mich eigentlich auch nicht so sehr auf das Fachchinesisch verlegen, von dem man im Internet genügend lesen kann, mir geht es auf diesem Themengebiet eher um das Erleben dieser Krankheit, darum, zu vermitteln, was sie auf verschiedenen Gebieten des Alltages bedeuten kann.

Fachwissen liest man sich leichter an, als dass man sich eventuell in jemanden hineinfühlen kann, den eben genau diese Diagnose begleitet.

 

Im Zuge dessen werde ich natürlich noch etwas mehr auf mich selbst eingehen, denn meine Verlaufsform dieser Krankheit ist, durch eine Jahrelange Fehldiagnose und dadurch falsche Behandlung inzwischen eine andere.

Auch das ist ein Weg, den viele Bipolare gehen müssen. Einfach deshalb, weil man wegen Depressionen, in denen man sich schlecht fühlt, schon eher mal zum Arzt geht.

Aber wer stellt sich beim Psychiater ein, weil er wochenlang Zustände erlebt, in denen es ihm gut geht?

Oftmals passiert das erst, wenn man in der oder durch die Manie irgendwann abstürzt oder auf einen Schlag viel oder alles verliert.

 

Wer es bis hier durchgestanden hat, dem danke ich fürs Lesen.

 

Natürlich folgen auch wieder Buchvorstellungen, leider aber erst, wenn ich dem roten Faden in einem Buch  wieder folgen kann. 🙂

 

herzliche Grüße,

Eure Dehlia.